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Methodologisches Kunststück: Biochemikerin Annita Louloupi erhält Marthe-Vogt-Preis

02.11.2020 / Der Marthe-Vogt-Preis des Forschungsverbundes Berlin e.V. (FVB) geht in diesem Jahr an Dr. Annita Louloupi für ihre herausragenden Beiträge zum wissenschaftlichen Verständnis der RNA-Biologie. Annita Louloupi forscht seit Januar 2019 am MDC. Der Preis zeichnet junge Wissenschaftlerinnen aus.

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Dr. Annita Louloupi. Foto: Felix Petermann, MDC

Während ihrer Doktorarbeit am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik (MPIMG) und an der Freien Universität Berlin hat Annita Louloupi gemeinsam mit Kolleg*innen eine neue Methode zur Erkennung und Analyse der Modifikation N6-Methyladenosin (m6A) in Vorläufer-RNA-Molekülen entwickelt. Unter Anwendung dieser Methode zeigte sie, dass m6A das RNA-Splicing beschleunigt. Seit 2001 vergibt der FVB den Marthe-Vogt-Preis an Nachwuchswissenschaftlerinnen, die auf einem Gebiet tätig sind, das von einem der FVB-Institute bearbeitet wird. Die Dissertation muss an einer Forschungseinrichtung in Berlin oder Brandenburg entstanden sein. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert.

Die DNA (Desoxyribonukleinsäure) enthält die genetische Information für die Entwicklung und das Wachstum aller Organismen. Um diese Information zu nutzen, wird die DNA zunächst in RNA (Ribonukleinsäure) umgeschrieben (transkribiert), welche dann in einem zweiten Schritt in das funktionelle Produkt, das Protein, übersetzt wird. Die genetische Information liegt nicht als kontinuierlicher Abschnitt auf der DNA vor, sondern wird durch nicht-kodierende Abschnitte unterbrochen.  Diese nicht-kodierenden Abschnitte (Introns) müssen nach der Transkription aus der Vorläufer-RNA herausgeschnitten werden – ein Prozess, der als RNA-Splicing oder RNA-Reifung bezeichnet wird und ein wichtiger und streng regulierter Schritt während der Genexpression ist.

Wie auch die DNA besteht RNA aus vier unterschiedlichen Nukleotiden. RNA-Nukleotide können während ihres Lebenszyklus biochemisch modifiziert werden. Obwohl solche Modifikationen die genetischen Informationen, die die RNA enthält, nicht verändern, können sie deren Funktionalität beeinflussen. In ihrer Doktorarbeit widmete sich Annita Louloupi einer der am meisten verbreiteten Modifikationen der RNA, dem m6A – einer Methylierung, die an der N6-Position von Adenosin erfolgt. Ihr Hauptziel bestand darin zu verstehen, wie m6A das RNA-Splicing oder genauer gesagt die Geschwindigkeit des Splicings reguliert.

Die Herausforderung, der Annita Louloupi zu Beginn ihrer Doktorarbeit gegenüberstand, war die Entwicklung neuer Analysetechniken. Diese mussten präzise und empfindlich genug sein, um m6A-Modifizierungen auf der RNA im Anfangsstadium, d h. während der kurzen Phase gleich nach der Transkription und vor dem RNA-Splicing, nachzuweisen. „Meine Fragen führten mich zu meinen Methoden“, erklärt die Biochemikerin und beschreibt so ihre Vorgehensweise. Durch die Kombination verschiedener Techniken konnte Annita Louloupi neue Einblicke in die Rolle der m6A-Modifikation bei der RNA-Splicing-Kinetik gewinnen. Befindet sich m6A in einer bestimmten Region innerhalb der anfänglichen RNA, fungiert m6A wie ein „Fast-Track-Ticket“, quasi eine Lizenz zum Überholen in der Verarbeitungsschlange. RNA mit solch einer Lizenz entwickelt sich weiter in „reife“ funktionelle RNA – und zwar schneller als die ohne solch eine Lizenz.

Modifikationen der RNA werden mit verschiedenen Krankheiten in Zusammenhang gebracht, darunter Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, genetische Geburtsfehler, Stoffwechselkrankheiten, neurologische Störungen und Virusinfektionen. Die von Annita Louloupi entwickelte Methode ist ein wertvolles Werkzeug für andere Molekularbiolog*innen. Sie kann angewendet oder angepasst werden, um m6A-Modifikationen unter verschiedenen Bedingungen zu untersuchen, z.B. in Krebszellen oder in Zellen, die von Viren befallen sind, sich in der Entwicklung befinden oder mit Wirkstoffen behandelt werden.

Noch während sie ihre Dissertation fertigstellte, übernahm Annita Louloupi im Januar 2019 eine Postdoc-Stelle in der Arbeitsgruppe „Computational Regulatory Genomics“ am Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC). „Wir gratulieren Annitta Louloupi ganz herzlich und freuen uns sehr mit ihr. Der Marthe-Vogt-Preis ist für junge Wissenschaftlerinnen eine tolle Auszeichnung und ein Ansporn, ihren Weg in der Wissenschaft weiter zu gehen“, sagt Thomas Sommer, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC (komm.)

Aktuell arbeitet Annita Louloupi an mehreren Projekten, die sich mit verschiedenen Aspekten post-transkriptioneller Genregulation beschäftigen. „Es war ein hektisches und anstrengendes Jahr und ich bin sehr dankbar für den Preis. Er ermöglicht mir innezuhalten, noch einmal meine Promotion zu reflektieren und das zu schätzen, was ich bisher erreicht habe.“

Einladung zur Verleihung des Marthe-Vogt-Preises

Die Preisverleihung findet im Rahmen der Berlin Science Week am 3. November, 18-19 Uhr, digital statt. Nutzen Sie den folgenden Link, um an unserer Veranstaltung teilzunehmen: https://fv-berlin-virtuell.de/. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Veranstaltung findet auf Deutsch und Englisch statt.
Einladung und Programm sind verfügbar unter: https://www.fv-berlin.de/infos-fuer/medien-und-oeffentlichkeit/news/einladung-zur-marthe-vogt-preisverleihung

Marthe Vogt Podcast

Im Interview mit Annita Louloupi im Marthe Vogt Podcast erfahren Sie mehr über ihren Weg in die Wissenschaft.

Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) wurde 1992 in Berlin gegründet. Es ist nach dem deutsch-amerikanischen Physiker Max Delbrück benannt, dem 1969 der Nobelpreis für Physiologie und Medizin verliehen wurde. Aufgabe des MDC ist die Erforschung molekularer Mechanismen, um die Ursachen von Krankheiten zu verstehen und sie besser zu diagnostizieren, verhüten und wirksam bekämpfen zu können. Dabei kooperiert das MDC mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Berlin Institute of Health (BIH) sowie mit nationalen Partnern, z.B. dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DHZK), und zahlreichen internationalen Forschungseinrichtungen. Am MDC arbeiten mehr als 1.600 Beschäftigte und Gäste aus nahezu 60 Ländern; davon sind fast 1.300 in der Wissenschaft tätig. Es wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. www.mdc-berlin.de

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