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Neuer Corona-Test

09.06.2020 / Das Start-up ImplaSens entwickelt im BiotechPark Berlin-Buch einen quantitativen Test zum Nachweis des SARS-CoV-2-Virus und der dagegen gebildeten Antikörper. Interview mit Geschäftsführer Peter Magyar und Dr. Antje Kamprad

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Sitz der ImplaSens GmbH auf dem Campus Berlin-Buch (Foto: Peter Himsel / Campus Berlin-Buch GmbH)

Wie kam es zu ihrer Entscheidung, einen Test für den Nachweis von SARS-CoV-2 zu entwickeln?
Peter Magyar: Der Bedarf an Tests, die eine akute Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus schnell erkennen, ist nach wie vor immens. Das gilt auch für den Nachweis der Antikörper, die Patienten gegen das Virus entwickeln. Wir haben daher entschieden, einen prädiagnostischen Schnelltest zu entwickeln, der beides detektieren kann und ohne Laborwissen anwendbar ist. Als kleines Unternehmen können wir solche Projekte sehr flexibel und unabhängig auf den Weg bringen. Zudem konnten wir das Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) dafür gewinnen, uns bei der Validierung zu unterstützen.
Dr. Antje Kamprad: Unser Test soll es ermöglichen, tausende Proben im Hochdurchsatz parallel auszuwerten und damit die Datenlage für die Bewältigung der Pandemie zu verbessern und auch die Langzeitentwicklung zu verfolgen.

Wie schnell konnten Sie die Voraussetzungen für das Projekt schaffen?
Peter Magyar: Vom Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit wurde unser Projekt aufgrund der Dringlichkeit des Themas sehr schnell genehmigt. Die Campusbetreibergesellschaft konnte uns im BiotechPark zügig Labore mit Grundausstattung vermieten. Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin steuerte einen Real-Time-PCRCycler bei. Wir haben binnen kurzem ein Kernteam von sechs Entwicklern und Wissenschaftlern zusammengestellt, die ausschließlich an dem Coronatest-Projekt arbeiten. Parallel werden bei uns ein passendes Gerät und die Software entwickelt. Aktuelle Lieferengpässe bei Testkomponenten konnten wir abfedern, indem wir zum Beispiel die Antikörperproduktion ausgelagert haben. Zusammen mit dem Hintergrund, dass uns Dr. Jens von Kries vom FMP mit der Screening-Unit bei der Überprüfung des Tests unterstützen wird, sind wir gut gestartet.

Auf welcher Methode basiert Ihr geplanter Test und wie funktioniert er?
Dr. Antje Kamprad: Es ist ein Antikörpertest, der auf Basis viraler Proteine und Antikörper funktioniert. Im Fokus steht der Nachweis des SARS-CoV-2-Virus beziehungsweise seiner Proteine sowie der Antikörper, die Patienten dagegen entwickelt haben. Als Vergleichsmethode benutzen wir Real-Time-PCR, die auf der Detektion von Nukleinsäuren, der Erbsubstanz des Virus beruht. Dadurch können wir einschätzen, inwieweit unser Test sensitiver ist oder noch verändert werden muss. Wir sehen auch, welche Methode wir in welchem Infektionsstadium am besten anwenden können. Zudem wollen wir den Test für verschiedene Proben entwickeln, für Rachenabstriche, Serum und Urin. Tendenziell soll der Test auch für die Detektion anderer Pathogene nutzbar sein, zum Beispiel bakterielle Pathogene, andere Corona-Viren oder generell andere Viren.
Peter Magyar: Wir entwickeln für diese Testmethode ein Point-of-Care-Gerät, das auf einer „Lab-on-a-Chip“-Technologie basiert. Damit soll es Anwendern ermöglicht werden, vor Ort schnell zeitgleich verschiedene Antigene zu detektieren.

Unterscheidet sich Ihr geplanter Test von bisher zugelassenen Tests?
Peter Magyar: Im Hinblick auf das Point-of-Care-Gerät auf jeden Fall. Hier sehen wir auch unsere größten Marktchancen. Das ist eine neue und spannende Geschichte: Ein schneller Test, supertransportabel, robust und ohne Laborwissen und die entsprechende Ausrüstung anwendbar. Von daher ist unser Test sehr flexibel einsetzbar, zum Beispiel in Arztpraxen oder anderen Teststationen. Darüber hinaus entwickeln wir ein System, innerhalb dessen Geräte miteinander kommunizieren können. Denkbar wäre zum Beispiel eine Teststation einige Kilometer vor einer Landesgrenze, deren Ergebnisse beim Passieren der Grenzstation schon vorliegen.

Wie viel Zeit wird der reine Testvorgang benötigen?
Peter Magyar: Definitiv können wir sagen, dass es weniger als eine Stunde sein wird. Unser Ziel sind allerdings zehn Minuten.

Wie zuverlässig wird Ihr Test sein?
Dr. Antje Kamprad: Das wird sich im Laufe der Validierung zeigen. Wir probieren natürlich, so gut wie möglich zu sein.

Wann rechnen Sie frühestens mit einer Zulassung?
Peter Magyar: Für das Testkit hoffen wir auf eine Zulassung in drei Monaten. Die Zertifizierung des medizinischen Geräts mit Hard- und Software dauert normalerweise 12 – 18 Monate, aktuell hoffen wir, dass die Zulassung deutlich schneller geht.

Interview: Christine Minkewitz

Das Interview erschien zuerst im Standortjournal buchinside 01/2020.

www.implasens.com

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