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Schnelltest für Nahrung

09.01.2020 / Die Firma Leonyte Biosystems setzt mit ihrer innovativen Technologie, Pathogene in Nahrungsmitteln zu identifizieren, neue Standards.

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Das Team von Leonyte Biosystems. In der ersten Reihe : Facundo Gomez (l.) und Michael Brehm (3. v. l.) (Foto: Leonyte)

Die Gründungsidee für Leonyte Biosystems hat ihren Ursprung in China. Dort erlitt der Gründer Michael Brehm vor etlichen Jahren eine lebensbedrohliche Salmonelleninfektion. Seitdem hat ihn die Überlegung, wie man solchen Infektionen vorbeugen könnte, nicht mehr losgelassen. Dank erfolgreicher Gründungen – die bekannteste war die Online-Community studiVZ – konnte Brehm seine Idee, die Verbraucher besser zu schützen, tatsächlich in eine konkrete Entwicklung umsetzen. Dabei unterstützte ihn der Argentinier Facundo Gomez, den er 2016 kennenlernte. Brehm stellte ihm seine Vision vor, und Gomez ließ sich inspirieren. Er nahm sich Zeit, analysierte Markt und Technologien und brachte schließlich zusammen mit Brehm alles ins Rollen. Heute sind beide Geschäftsführer von Leonyte Biosystems.

Das Unternehmen startete 2017, nachdem Gomez eine Innovation ausfindig gemacht hatte, die als Basis für die eigene Technologie dienen konnte. Diese soll Lebensmittelhersteller am Ort der Produktion in die Lage versetzen, gefährliche Erreger in Lebensmitteln zuverlässig, einfacher und schneller festzustellen als bisher. Der Kern der Technologie besteht aus Sensoren, die mit herstellerspezifischen Proteinen kombiniert werden, die Bakterien wie Salmonellen in wenigen Minuten erkennen. „Wir nutzen Viren, die die gesuchten Bakterien als Wirtszellen benötigen, um sich zu reproduzieren. Diese so genannten Bakteriophagen helfen uns, die Bakterien hochspezifisch zu detektieren“, so Gomez. „Bislang nutzt man dafür Antikörper und benötigt mehrere Stunden und eine spezifische Temperatur, um einen bestimmten Erreger zu binden. Mit unserer Methode erhalten die Kunden das Ergebnis in bis zu einer Stunde statt nach zwölf bis 24 Stunden. Zudem können wir den Schnelltest kostengünstig anbieten und damit ermöglichen, dass er im großen Maßstab eingesetzt wird.“

Von der Probenvorbereitung über die Analyse sowie Auswertung optischer Daten unter dem Fluoreszenzmikroskop findet alles in einer einheitlichen Plattform statt, die Leonyte eigens entwickelt hat – auch dies ist eine Neuerung. Der Nutzer erfährt nach einem automatisierten Prozess, ob eine Kontamination vorliegt.

Von Mitte nach Buch
Die ersten Büros bezog Leonyte in Berlin-Mitte. Etwa anderthalb Jahre lang fand die Entwicklung in externen Laboren in Potsdam und in den USA statt. „Dies war einer der Gründe, warum wir auf den Campus Buch gezogen sind: Wir wollten unser Entwicklungsteam im Haus haben. Dazu kam, dass wir Labore mit Sicherheitsanforderungen benötigten und uns der Zugang zu Entwicklungspartnern, spezifischem Equipment oder Know-how wichtig war. Als Biotech-Start-up waren wir relativ isoliert in Mitte“, so der Geschäftsführer.
Der BiotechPark erweist sich immer mehr als hilfreich – für den Austausch und mögliche Kooperationen, auch in Richtung Herstellung. Zur wissenschaftlichen Community hat Leonyte enge Beziehungen aufgebaut. Gelegenheiten wie ein vom Campus organisiertes Meeting mit der Bill- and- Melinda-Gates-Stiftung intensivierten die Kontakte zu den teilnehmenden Campusfirmen. „Wir schätzen die internationale Denkweise, die auf dem Campus vorherrscht“, hebt Gomez hervor.

Wege zum Ziel
Bestehende Technologien zu kombinieren und weiterzuentwickeln, gibt dem Unternehmen eine hohe Flexibilität: „Unser Ziel ist das Vermeiden von Infektionen – die Technologie nur der Weg dahin“, erklärt Facundo Gomez. „Nach zwei Jahren sind wir dabei, die Entwicklung langsam abzuschließen. Wir denken, dass wir unseren Test Ende dieses Jahres oder Anfang 2021 auf den Markt bringen werden“, so Gomez.

Die Geschäftsführer von Leonyte wollen nichts Geringeres, als einen neuen Standard für den Nachweis und die Kontrolle von Bakterien zu schaffen und damit Menschen weltweit vor Pathogenen zu schützen. Sie planen, das Portfolio in der Lebensmitteldiagnostik auszuweiten und in Richtung Diagnostik im Gesundheitsbereich zu entwickeln. Hierfür sieht Gomez viel Potenzial auf dem Campus: „Wir sind immer auf der Suche nach kreativen Ideen und bieten an, Innovationen gemeinsam zu entwickeln.“

Text: Christine Minkewitz / Campus Berlin-Buch GmbH

Der Beitrag erschien zuerst im Standortjournal buchinside.

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