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Die Zukunft der Gesundheit: Mehr als 60 Ideen zur medizinischen Translation

29.10.2019 / Ohne Forschung keine neuen Therapien, ohne neue Ideen keine Zukunft der Medizin: Doch wie gelingt der Sprung aus dem Labor ans Krankenbett? Welche Schritte sind notwendig, damit aus einem erfolgreichen Experiment ein Produkt wird, das Patient*innen hilft? Die Antwort lautet Translation, und sie ist das Thema der vierten Ausgabe des „Future Medicine Science Match“, das am 7. November 2019 im Kosmos in Berlin stattfindet. Professor Christof von Kalle vom Berlin Institute of Health (BIH) ist für das wissenschaftliche Programm der Konferenz verantwortlich, die das BIH gemeinsam mit dem Tagesspiegel veranstaltet.

„Ob ein neues Medikament, bessere Diagnostik oder ein innovatives Gerät: Davor steht immer eine gute Idee, die in die Anwendung übertragen werden muss“, erklärt Christof von Kalle, BIH Chair für Klinisch-Translationale Wissenschaften am Berlin Institute of Health (BIH). „Und dieser Weg ist oft mühsam und langwierig, dafür ist es umso toller, wenn er gelingt!“ 

Von der Intimarzt-APP bis zu lebendigen Krebsmedikamenten
Die rund 60 Kurzvorträge von nur 3 Minuten handeln von erfolgreichen Translationsbeispielen – und solchen, die es werden wollen: In der Session zu „Smart Data and Translation“ stellt ein Mediziner seine APP „Intimarzt“ zur Diagnose von Geschlechtskrankheiten vor, mit der man intime Fotoaufnahmen anonym an einen Facharzt zur Diagnose schicken kann. „Das ist wichtig, denn häufig warten Betroffene aus Scham viel zu lang mit dem Arztbesuch, und dann sind möglicherweise drastische Eingriffe nötig“, erklärt Dr. Titus Brinker vom Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg seine Entwicklung. Auch seine zweite APP „AppDoc“ erspart den Nutzer*innen etwa 70% der persönlichen Arztbesuche, indem sie Fotos von betroffenen Hautregionen an Fachärzte in Heidelberg schickt, die – wissenschaftlich überprüft – in 90% der Fälle die richtige „Fern“Diagnose stellen.

Dr. Henrike Maatz vom Max-Delbrück-Centrum in Berlin spricht in der Session „Single Cells and Translation“ über das ehrgeizige Projekt, das menschliche Herz Zelle für Zelle zu analysieren. „Davon erhoffen wir uns ganz neue Einblicke in die Funktion des gesunden und des kranken Herzens“, erklärt die Biologin. „So können wir auch die Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten viel genauer abschätzen und vorhersagen.“ Auch in der Session „Translational Cancer Research“ geht es um Projekte der Krebsforschung, die bereits nah an oder sogar schon in der Anwendung beim Patienten sind: Es geht um präzise Diagnostik, etwa die Genanalyse von Krebszellen, die eine maßgeschneiderte personalisierte Krebstherapie erst ermöglichen, um das Mikrobiom, das den Verlauf einer Krebserkrankung beeinflussen kann oder um neue  Möglichkeiten, Resistenzen von Krebszellen zu brechen.

Die Keynote Lecture hält der Immuntherapie-Pionier Michel Sadelain vom Memorial Sloan Kettering Institute in New York, der mit CAR-T-Zellen eine neue Ära der Krebsmedizin eingeläutet hat. Er berichtet über Erfolge bei scheinbar austherapierten Krebspatient*innen, über die Herausforderungen, eine für jeden Patienten und jede Patientin maßgeschneiderte Therapie durch die Zulassungsbehörden zu navigieren und über den hohen Preis einer solchen Innovation. „The makings of a living drug“ lautet der Titel seines Vortrags.

Die Politik muss die Translation unterstützen
„Die Politik ist gefordert, wenn es um Translation geht“, ist Professor Axel Radlach Pries, der Vorstandsvorsitzende des BIH (interim) überzeugt. Er hat deshalb Verteter*innen aus der Bundes- und Europapolitik eingeladen, um darüber zu diskutieren, welchen Wert die translationale medizinische Forschung für Europa hat und wie die Politik dies unterstützen kann. 

Komplettiert wird die Konferenz durch Grußworte der Parlamentarischen Staatssekretäre Thomas Rachel (Bundesforschungsministerium) und Dr. Thomas Gebhart (Bundesgesundheitsministerium).

Future Medicine 2019 ist bereits die vierte Konferenz zur Zukunft der Medizin, die das BIH gemeinsam mit dem Tagesspiegel und in Kooperation mit der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin durchführt. Sie findet jährlich am 7. November im Rahmen der Berlin Science Week statt.

Journalist*innen sind herzlich eingeladen teilzunehmen. Gerne vermitteln wir Ihnen Interviewgespräche mit den Wissenschaftler*innen. 

Future Medicine Science Match 2019
Donnerstag, 7. November 2019
Eröffnung der Konferenz: 09:00 Uhr (Einlass: 08:00 Uhr)
KOSMOS Berlin
, Karl-Marx-Alle 131 A, 10243 Berlin

Den aktuellen Stand des Programms finden Sie online.

Über das Berlin Institute of Health (BIH)
Das Berlin Institute of Health (BIH) ist eine Wissenschaftseinrichtung für Translation und Präzisionsmedizin. Das BIH widmet sich neuen Ansätzen für bessere Vorhersagen und neuartigen Therapien bei progredienten Krankheiten, um Menschen Lebensqualität zurückzugeben oder sie zu erhalten. Mit translationaler Forschung und Innovationen ebnet das BIH den Weg für eine nutzenorientierte personalisierte Gesundheitsversorgung. Das BIH wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und zu zehn Prozent vom Land Berlin gefördert. Die Gründungsinstitutionen Charité – Universitätsmedizin Berlin und Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) sind im BIH eigenständige Gliedkörperschaften.

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