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Avantgarde der Genforschung in der Mitte Berlins

26.02.2019 / Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel hat am 26.02.2019 den Neubau des Max-Delbrück-Centrums im Herzen Berlins eingeweiht. Dort werden rund 250 Spitzenforscherinnen und -forscher analysieren, wie die Gene das Leben der Zellen steuern und damit Gesundheit und Krankheit beeinflussen.

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Wissenschaft im Centrum – Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast am Max-Delbrück-Centrum. © David Ausserhofer, MDC

Mit einem Festakt und einer Begegnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) ist am Dienstag ein neues Forschungsgebäude in Berlin Mitte eröffnet worden. In das neue Haus zieht das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des MDC ein. Die interdisziplinären Teams des BIMSB analysieren die Genregulation in den Zellen. Sie kombinieren modernste Methoden der Genom- und Einzelzell-Biologie, die Arbeit mit Organoiden (künstlichen Organen) und den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um die Voraussetzungen für die personalisierte Medizin der Zukunft zu schaffen. Bei einem Besuch in den neuen Labors und im Gespräch mit Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern informierte sich die Kanzlerin über diese neuartigen Ansätze der biomedizinischen Forschung.

Wissenschaft im Centrum
„Wir freuen uns sehr, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel unser neues Haus in Berlin Mitte eingeweiht hat“, sagte Professor Martin Lohse, Wissenschaftlicher Vorstand des MDC. „Ihr Besuch und ihr Interesse sind ein Zeichen für das Verständnis und die Unterstützung, die die Kanzlerin der Wissenschaft zukommen lässt. Das unterstreicht zugleich die Erwartungen, die die Bundesregierung und die Gesellschaft an uns Forscherinnen und Forscher haben.“

Die Veranstaltung stand unter dem Motto „Wissenschaft im Centrum“. Lohse machte in seiner Ansprache vor rund 150 geladenen Gästen aus Forschung, Politik und Gesellschaft deutlich, dass dies nicht nur für das Max-Delbrück-Centrum, sondern insgesamt für die Hauptstadt gelte. Berlin rücke wie keine andere Stadt in Deutschland Wissenschaft räumlich und inhaltlich in die Mitte. Die Nähe des neuen Forschungsgebäudes zur Humboldt-Universität und zur Charité – Universitätsmedizin Berlin unterstreiche die Mission des MDC, die Erkenntnisse medizinischer Grundlagenforschung wie zum Beispiel die technologischen Durchbrüche in der System- und Einzelzellbiologie rasch ans Krankenbett zu bringen, sagte Lohse.

Investition von Bund und Land
Bund und Land haben in den Neubau auf dem Gelände Humboldt-Universität zu Berlin rund 41 Millionen Euro investiert. Das Berliner Institut für Medizinische Systembiologie wurde in den vergangenen zehn Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Berliner Senat als Pilotprojekt im Rahmen des Programms „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“ gefördert. Die Finanzierung wurde nach einer erfolgreichen Begutachtung vom BMBF verstetigt. Geleitet wird das BIMSB seit seiner Gründung von Professor Nikolaus Rajewsky.

Berlins Regierender Bürgermeister und Senator für Wissenschaft und Forschung, Michael Müller, sagte zur Eröffnung: „Der neue, zukunftsweisende Standort der biomedizinischen Forschung ist eine große Bereicherung für die Berliner Wissenschaft. Das Land Berlin ist stolz darauf, die Entwicklung des BIMSB von einer innovativen Idee der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des MDC hin zu einer interdisziplinär angelegten Forschungsstruktur von Anfang an begleitet zu haben. Es hat das BIMSB seit seiner Entstehung mit insgesamt knapp sechs Millionen Euro zusätzlich gefördert. Unser Dank gilt auch dem Bund für die Finanzierung des jetzt eröffneten Forschungsgebäudes. Die Unterstützung ist beispielhaft für die enge Zusammenarbeit zwischen dem Bund und dem Land Berlin. Das MDC leistet mit dem bereits heute international renommierten Institut einen entscheidenden Beitrag, Krankheiten besser zu verstehen und aus den Erkenntnissen neue, auf den einzelnen Patienten genau zugeschnittene Therapieansätze zu entwickeln. Davon wird auch die Versorgung von Patientinnen und Patienten in unserer Stadt profitieren. Ich wünsche den Forscherinnen und Forschern weiterhin viel Erfolg am neuen Standort.“

Traditionelle Grenzen sprengen
Rajewsky sprach von einem großen Tag für das BIMSB. „Hier arbeitet die Avantgarde der biomedizinischen Forschung. Wir sprengen traditionelle Grenzen und verbinden Biotechnologie, rechnergestützte Wissenschaft, Biochemie, Molekularbiologie und klinische Forschung.“ Als Beispiel nannte Rajewsky die Einzelzell-Biologie. Diesen neuen Forschungszweig, der es ermöglicht, den Wandel von einzelnen Zellen im Laufe des Lebens nachvollzuziehen, hat das Fachblatt „Science“ 2018 zum „Durchbruch des Jahres“ gekürt – BIMSB-Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind an den Pionierleistungen maßgeblich beteiligt.

Von Berlin aus koordiniert Nikolaus Rajewsky gemeinsam mit Professorin Geneviève Almouzni vom Institut Curie in Paris das europäische LifeTime-Konsortium. Mehr als 50 Forschungsinstitutionen aus ganz Europa und Israel wollen gemeinsam die Aktivität unseres Genoms in einzelnen Zellen über die gesamte Lebensspanne verfolgen und entschlüsseln, welcher Wandel der Zellen zur gesunden Entwicklung gehört und welcher zu Erkrankungen führt. LifeTime erhält von der EU in diesem Jahr zunächst eine Million Euro. Danach wird in Brüssel entschieden, ob die EU das Projekt mit bis zu einer Milliarde Euro als so genanntes Flagship-Projekt über zehn Jahre weiter fördert.

Professor Otmar Wiestler, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft, gratulierte dem MDC zur Eröffnung des neuen Gebäudes: „Helmholtz-Forschung trägt entscheidend dazu bei, große Fragen für die Wissenschaft und die Gesellschaft zu lösen. Die innovative, interdisziplinäre Erforschung von Zellen an diesem besonderen Ort in Berlin wird die Gesundheitsforschung in vielen Bereichen voranbringen – in der Grundlagenforschung ebenso wie in der konkreten Anwendung beim Patienten. Hier können die Grundlagen für eine neue, zell-basierte Medizin etabliert werden.“

Architektur für kommunikative Forschung
Gebaut hat das neue Forschungsgebäude das renommierte Architekturbüro Staab. Der Grundriss trägt der interdisziplinären Arbeitsweise der BIMSB-Forschungsteams Rechnung. Eine große Wendeltreppe in der Mitte des Hauses bildet das kommunikative Zentrum; die molekularbiologischen Laborarbeitsplätze liegen unmittelbar neben den rechnerintensiven bioinformatischen Büros – nur durch Glaswände getrennt. „Wir freuen uns auf die Arbeit im neuen Haus“, sagte Lohse. „Dieses lichte Gebäude steht für Offenheit und bietet ideale Bedingungen für wissenschaftlichen Austausch. Wir wollen den transparenten Bau in der Mitte der Stadt auch dazu nutzen, unsere Arbeit für die Gesellschaft transparent zu machen.“

Website des BIMSB

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