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T-Killerzellen gegen Viren und Tumoren

24.09.2014 / Das biopharmazeutische Unternehmen Cell Medica hat eine neue Ära im Kampf gegen virusbedingte Krebserkrankungen und Infektionen eingeleitet. Bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem stellen Viren ein lebensgefährliche Bedrohung dar. Speziell nachTransplantationen können sie Komplikationen verursachen, die im Extremfall den Tod nach sich ziehen. Ein innovatives Therapieverfahren könnte nun im Ernstfall rettende Hilfe bringen. Die Entwickler haben sich im Technologie-Park Berlin-Buch niedergelassen: Cell Medica GmbH. Das angewandte Verfahren wird als T-Zell-Therapie bezeichnet. Zytotoxische T-Zellen sind allgemein als Killerzellen bekannt. Sie sind die körpereigene Schutztruppe des menschlichen Immunsystems zur Abwehr und Neutralisierung von unerwünschten Eindringlingen; sprich Krankheitserregern. Cell Medica – 2006 in London gegründet, dort mit Hauptsitz ansässig und seit Oktober 2013 mit europaweiter Produktionsstätte in Berlin angesiedelt – hat sich laut Geschäftsführer Dr. Rainer Knaus nichts Geringeres vorgenommen, als eine „neue Ära der zellulären Therapien zu prägen.“

Individuelle Therapien
Die T-Zell-Therapie gilt als neuer Weg bei der Behandlung von Virusinfektionen und Krebserkrankungen im Zusammenhang mit krebserregenden Viren. Cell Medica positioniert sich hier als einer der führenden Entwickler und kommerziellen Anbieter von T-Zell-Immuntherapien und als Mitinitiator für einen Paradigmenwechsel in diesem Bereich, denn es gibt eine Besonderheit bei dem Verfahren: Die Therapien sind personalisiert, was bedeutet, dass sie für jeden einzelnen Patienten individuell hergestellt werden.

Was sich kompliziert anhört, lässt sich wie folgt erläutern. Zwei Erkrankungsszenarien spielen bei diesen Ansätzen der personalisierten zellulären T-Zell-Therapie eine Rolle. Szenario1: Im Anschluss an Knochenmarkoder Stammzelltransplantation kommt es bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem zu einer schweren, manchmal lebensbedrohlichen Komplikation durch eine Virusinfektion. Cytomegalieviren (CMV), die zu den Herpesviren zählen, sind für Erwachsene die schlimmste Bedrohung. Adenovieren (ADV), die hauptsächlich Erkrankungen der Atemwege verursachen, sind am gefährlichsten für Kinder. Szenario 2: Eine Tumorerkrankung, die in Verbindung mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV) steht. EBV zählt ebenfalls zu den Herpesviren.

In Buch liegt der Fokus der Cell-Medica-Entwickler auf Szenario 1. Produziert werden deshalb zunächst T-Zellen für die Therapie mit Cytovir™CMV. Dies ist eine Behandlungsmethode, bei der die Immunzellen eines gesunden Spenders, der eine CMV-Infektion durchgestanden hat, verwendet werden, um Patienten mit stark geschwächtem Abwehrsystem nach einer Knochenmarktransplantation bei der Bekämpfung der Cytomegalievirus-Infektionen zu unterstützen. In der Fachsprache wird das von Cell Medica entwickelte Verfahren als „personalisierte zelluläre T-Zell-Therapie zur immuntherapeutischen Behandlung von Virusinfektionen und von Virus-assoziierten Tumoren“ beschrieben. Für die Produktion der T-Zellen steht Cell Medica in Buch über 350 Quadratmeter Reinraum zur Verfügung.
Auch für die Behandlung von durch Viren ausgelösten Tumoren könnten T-Zellen helfen, die bösartig veränderten Gegenspieler zu bekämpfen. In diesem Bereich arbeitet Cell Medica eng mit dem Center for Cell and Gene Therapy, Baylor College of Medicine, Houston, USA zusammen.

Orphan Drug Status
Cytovir ADV, ein weiteres Produkt, das sich in der klinischen Entwicklung von Cell Medica befindet, hat kürzlich vom Ausschuss für Arzneimittel für seltene Erkrankungen (Committee for Orphan Medicinal Products) der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) den sogenannten Orphan Drug Status zuerkannt bekommen. Damit soll die Entwicklung von Medikamenten gefördert werden, die einen sehr hohen Nutzen für Patienten mit einer seltenen und lebensbedrohenden Krankheit haben. Der Orphan Drug Status für Cytovir ADV sichert Cell Medica ein zehnjähriges exklusives Vermarktungsrecht, nachdem Cell Medica die Europäische Marktzulassung erhält.

Text: Michaela-Nicola Riedemann
 

Quelle: BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch

www.cellmedica.co.uk

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