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Berliner Institut für Gesundheitsforschung baut in Buch

19.09.2014 / Das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (Berlin Institute of Health/BIH) ist im Frühjahr 2014 mit ersten großen Forschungsprojekten gestartet und wird in den nächsten Jahren noch deutlich wachsen. In langfristig und interdisziplinär angelegten Forschungskonsortien werden biomedizinische und klinische Forscherinnen und Forscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Charité - Universitätsmedizin Berlin gemeinsam an translationalen Forschungsvorhaben arbeiten. In ihrem Fokus steht die Anwendung von systemmedizinischen Forschungsansätzen für die translationale Medizin. Die Systemmedizin nutzt die systemorientierte Herangehensweise der Grundlagenforschung, um komplexe Krankheitsprozesse besser zu verstehen und innovative Heilverfahren abzuleiten. Genetische, zellbiologische, physiologische und visuelle Daten von Patienten werden miteinander in Beziehung gesetzt, um Rückschlüsse auf das Krankheitsgeschehen zu ziehen und neue Behandlungswege und Präventionsmaßnahmen zu entwickeln. So sollen Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schneller und zielgerichteter zum Nutzen der Patientinnen und Patienten umgesetzt und klinische Beobachtungen verstärkt in die Forschung übersetzt werden.

Laborgebaeude

Abbildung: Geplantes In-Vivo-Pathophysiologie-Laborgebäude (IPL) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch (Abb.: Doranth Post Architekten)

Um modernste systemmedizinische Forschungsmethoden anwenden zu können, bedarf es spezialisierter Technologieplattformen und hervorragender Forschungsinfrastrukturen. Das BIH wird am Standort Buch Omics-Plattformen für die Hochdurchsatzanalyse von klinischen Proben aufbauen, die die schnelle Entschlüsselung des gesamten Erbguts (Genomics) und die Untersuchung der gesamten Proteine (Proteomics) und Stoffwechselprodukte (Metabolomics) einer Probe erlauben. Für die Auswertung der großen Datenmengen werden Hochleistungsrechner und für die langfristige Lagerung von Proben Biodatenbanken benötigt. Mit den BIH-Projekten wächst die Zahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, neue Labore und Räume sind erforderlich. Ein Teil dieser neuen Forschungsinfrastruktur entsteht auf dem Campus Buch. Größtes Einzelprojekt ist das Forschungshaus der Charité am Lindenberger Weg, das neu gegliedert und baulich erweitert werden soll. Unabhängig vom BIH investieren Charité und MDC auf dem Campus in den Bau moderner Tierforschungshäuser.

Geplanter Ausbau
Am Lindenberger Weg liegt das große Forschungsgebäude der Charité, das die Hochschulambulanzen des Experimental and Clinical Research Centers (ECRC) beherbergt. Früher befand sich darin die auf Krebsforschung spezialisierte Robert-Rössle-Klinik, heute sind viele Gebäudeteile ungenutzt.
„Perspektivisch lassen sich dort wichtige BIH-relevante Strukturen gemeinsam unterbringen – die Patienten- und Probandenforschung, translationale Forschungslabore und die Omics-Plattformen“, so Architekt Ralf Streckwall vom MDC. „Aus unserer Sicht wäre ein Neubau am Lindenberger Weg von Vorteil, der das Ensemble schließt und ringförmig um einen Innenhof gruppiert. Dadurch könnten wir den strukturellen Mangel dieses Gebäudes, die viel zu langen Wege, vollständig beheben, die Nutzungen neu ordnen und verdichten. Die Bereiche mit Publikumsverkehr könnten von den Laboren und Technologieplattformen klar abgrenzt werden. Jeder Bereich hätte seinen eigenen Gebäudetrakt, was die Orientierung erleichtern würde. Die Laborflächen könnten effizient zusammengefasst werden und sinnvoll an den Omics-Bereich anschließen.“ Bis zu zehn Forschungsgruppen sollen hier einmal arbeiten.

Einschließlich des Neubaus würde die Nutzfläche fast 15.000 Quadratmeter betragen. Die Kosten lägen bei circa 21 Millionen Euro. Doch mit den derzeit zur Verfügung stehenden Mitteln des BIH-Haushaltes kann zunächst nur ein Teil des Forschungsgebäudes grundlegend saniert werden.

Von 2016 bis 2018 sollen sich Sanierung und Umbau auf die Häuser 50 und 51 konzentrieren. In das Haus 50 werden die Technologieplattformen einziehen. Haus 51 wird Platz für Forschungslabore, die kommunikative Infrastruktur und die Verwaltung bieten. Der Eingang zum Lindenberger Weg erhält ein völlig neues Bild. Dagegen werden die Häuser 47, 48 und 49 mit Hochschulambulanzen, Laboren und der Reinraumanlage des ECRC nur so weit ertüchtigt, dass der Betrieb bis 2018 gewährleistet ist. Damit soll noch in diesem Jahr begonnen werden.

Bis das Haus 50 fertiggestellt sein wird, müssen die Omics-Plattformen in einem anderen Campusgebäude, Haus 64, untergebracht werden. Hierfür stehen BIH-Mittel
bereit.

Automatisierte Biobank
Im Rahmen des BIH werden zwei Biobanken aufgebaut; eine auf dem Campus des Virchow Klinikums und eine auf dem Campus Buch. Sie dienen der automatisierten Aufbewahrung von Biomaterialien. „Da die Biobank auf dem Campus Buch bereits 2015 ihre Arbeit aufnehmen soll, errichten wir dafür in Nachbarschaft zum Forschungshaus ein neues Gebäude“, so Architekt Streckwall. „In der Biobank sollen künftig bis zu vier Millionen Proben bei minus 160 Grad in Tanks lagern. Die Menge und das Temperaturniveau stellen hohe Anforderungen, insbesondere bei einer langfristigen Lagerung. Wir entwickeln deshalb mit Spezialfirmen ganz neue Lösungen für die automatisierte Aufbewahrung und Verwaltung.“

BIH-Rechenzentrum
Zur Infrastruktur des BIH gehört auch ein eigenes Rechenzentrum, dessen Bau im südlichen Campusbereich noch im Sommer 2014 startet. Hierfür stellt das BIH 2,1 Millionen Euro zur Verfügung. In diesem Rahmen erhält der Campus auch eine redundante Anbindung an das Hochgeschwindigkeitsdatennetz der öffentlichen Wissenschaftseinrichtungen in Berlin, BRAIN.

Modernste Tierforschung
Unabhängig vom BIH entstehen bis 2017 zwei neue, miteinander verbundene Forschungsgebäude von MDC und Charité im südlichen Campusbereich. Hier realisiert das Max-Delbrück-Centrum ein neues Tierforschungshaus, das vor allem nicht-invasive Untersuchungsverfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie bietet. Im In-vivo-Pathophysiologie-Laborgebäude (IPL) wird es möglich sein, Krankheitsmechanismen schonend im lebenden Tier zu untersuchen. Dies ist ein wesentlicher Schritt, um künftig mit weniger Tieren arbeiten zu können. Durch den Neubau, der Platz für 12.000 Mäuse bietet, kann das MDC zwei andere Tierhäuser auf dem Campus schließen. In das Bauprojekt fließen 24 Millionen Euro aus Zuwendungsmitteln des Bundes und des Landes; davon zehn Millionen Euro vom MDC.

Die Charité schließt ein veraltetes Tierhaus mit 40.000 Mäusen in Steglitz und baut dafür ein neues auf dem Campus Buch, die Forschungseinrichtung Experimentelle Medizin (FEM). Die erforderlichen Investitionsmittel in Höhe von 36,8 Millionen Euro stammen aus Landesmitteln. „Beide Einrichtungen werden im südlichen Bereich des Campus als zweigeschossiges Ensemble gebaut, verbunden durch ein gemeinsam genutztes Infrastrukturgebäude und einen Wirtschaftshof“, so Streckwall. Die Grundfläche beträgt insgesamt 6.100 Quadratmeter.

In den Gebäuden werden modernste Standards der Tierhaltung gewährleistet. Die Käfigsysteme sind strikt gegen die Außenwelt abgeschottet und werden mit steril gefilterter Luft belüftet. Futter, Einstreu und Wasser – alles was zur Versorgung der Tiere nötig ist – werden sterilisiert, bevor sie ins Tierhaus gelangen. Die Arbeiten an den Tieren werden unter sterilen Laborbedingungen durchgeführt. Alle Dinge, die das Tierhaus verlassen – wie Futterreste oder Streu – müssen wiederum sterilisiert werden. Diese sogenannte Barrierehaltung erfordert besonders komplizierte haustechnische Anlagen.

Der Bau des Ensembles soll 2015 beginnen. Der Bebauungsplan ist vom Bezirk Pankow bereits genehmigt worden.

 

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