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Über Wissenschaft reden: Wirkstoffradio startet

21.10.2018 / Bernd Rupp, FMP, studierte Pharmazeutische Chemie an der Naturwissenschaftlich-Technischen Akademie Isny im Allgäu. Bereits während seines Studiums hat er seine Liebe zur Computerchemie entdeckt. Neuerdings kümmert er sich nicht nur um Compound-Daten, sondern auch um die perfekte Audiotechnik für seinen Podcast.

Bernd, man sieht dich meistens mit Stöpseln im Ohr durch die Gänge laufen. Erzählst du uns, was du dir anhörst?
Klar, also meistens sind es WissensPodcast! Mich interessieren wissenschaftliche Themen aller Art und ich höre Wissenschaftler*innen gerne zu. Bald werde ich meinen eigenen Podcast online stellen. Ein lang gehegter Wunsch! Wir, André Lampe und ich starten mit unserem „Wirkstoffradio“.

Für alle, die sich noch nicht mit Podcasts beschäftigt haben: Wir sprechen hier über eine Audiodatei oder Audiosendung, die man jederzeit abspielen kann …
Richtig, eine Audiodatei, die man sich einmal runter lädt, am besten wenn man WLAN hat, und dann anhören kann, wann man will. Also kein Stream der ständig mobile Daten braucht oder so. Wenn man technisch werden will: ein Podcast ist ein RSS (Really Simple Syndication) Feed, der Audiodateien
ausspielt.

Über welche Themen werdet ihr reden?
Wir werden ausgiebig über Wirkstoffforschung sprechen, Wissenschaftler*innen einladen oder besuchen und Sie über ihre Forschungsgebiete ausfragen. Das Thema soll einer breiten Masse fundiert und verständlich erklärt werden. Wir haben die
Freiheit, uns mit einem Inhalt so lange auseinander zu setzen, bis unsere Gesprächpartner*innen und wir der Meinung sind, ein Thema „erschöpfend“ erzählt zu haben - und wie die ersten Erfahrungen gezeigt haben, es auch nach einer Stunde noch lange nicht langweilig wird.

André und Du, ihr habt demnach schon angefangen? Wie wird das Projekt finanziert?
Ja, wir haben schon mit den Aufnahmen begonnen, sogar hier im Haus, aber das Programm ist noch nicht abschließend gestaltet, deswegen will ich da noch nicht zu viel verraten, außer dass es ausführliche Interviews geben wird!
Unsere erste Finanzierung haben wir über den „Forschungsverbund Wirkstoffforschung und Biotechnologie“ der Leibniz-Gemeinschaft erhalten. Mit dem Geld wird unser privates Equipment erweitert, Andrés Arbeit und die ersten Fahrten zu unseren Interviewpartnern bezahlt. Wir hoffen, dass wir im September mit der sogenannten Nullnummer, einer Art Intro für den Podcast, starten können. Unsere Website ist bereits online.

André hat zum Beispiel beim Podcast „Zeitsprung“ bereits über Themen wie Mikroskope gesprochen, für dich ist es ein Neustart, oder?
André hat sicher mehr Erfahrung mit Podcasts, aber mit diesem Projekt springen wir irgendwie beide ins kalte Wasser. Mir gefällt besonders, dass unsere Zuhörer mitbekommen werden, wie sich der Podcast immer weiter entwickeln wird. Ein wissenschaftliches Projekt entsteht ja ähnlich. Am Anfang
steht die Idee, dann der Plan und das Projekt wird mit der Zeit immer strukturierter und detaillierter. Für mich ist genau dieser Prozess spannend, eine neue technologische Plattform auszuprobieren. Wir werden am Anfang viele Fehler machen und es wird nicht alles sofort funktionieren, aber wir lernen
mit jeder Episode.

Wie bist du aus dem Allgäu ans FMP gelangt?
Einige Abbildungen im Lehrbuch für Pharmazeutische Chemie von Hans-Dieter Höltje, meinem späteren Doktorvater, haben mich während meines Studiums in Isny so begeistert, dass ich unbedingt bei ihm in Düsseldorf weiter studieren wollte, an
der Fakultät für Pharmazie der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf. Nach der Promotion arbeitete ich beim Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin und schließlich gelangte ich an das FMP. Hier am FMP war ich in Ronald Kühnes Gruppe erst einmal in Projekten um Molekulardynamik
beteiligt. Danach war ich für die Chemische Biologie Plattform als Wissenschaftler für das Datenbankdesign des DACS verantwortlich.

Welche Wirkstoffklassen sind deiner Meinun nach besonders spannend?
Als Datenbankentwickler betrachte ich die Wirkstoffentwicklung von einer eher theoretischen Warte. Mich interessiert es, Indikationsgebiete und die dazugehörigen Strukturklassen der Wirkstoffe zu beobachten. In der Arbeitsgruppe von Ronald Kühne haben wir Werkzeuge entwickelt, um Strukturbibliotheken für vielfältige Fragestellungen schnell und
effizient erstellen zu können. Daneben stellen wir weitere Tools innerhalb des Instituts zu Verfügung, mit deren Hilfe man Strukturen nach deren Indikationsgebieten uvm. suchen kann.

Du engagierst dich für die Verwendung offener und freier Software im Rahmen wissenschaftlicher Projekte. Wie steht es mit den Themen Openscience und Open Access?
Dazu kann ich einen sehr guten Podcast empfehlen, das „openscienceradio“. Darüber bin ich auf den Openscience-call der "OKFn" und der Seite "de-rse.org" (Research Software Engineers) aufmerksam geworden. Am Openscience-call nehme ich seitdem immer teil, wenn es meine Arbeit zuläßt.
Dabei erörtern Wissenschaftler*innen unterschiedliche Themen zu Open Access, Openscience und Opendata.
Das sind neben technischen Aspekten wie Sicherheit der Daten und Software, auch politische und juristische Themen. Und da sich ein generelles Öffnen aller Daten aus unterschiedlichsten Gründen schwierig gestaltet, spricht man bei vielen Institutionen
nicht mehr nur von Open Science, sondern vielmehr von FAIR Science (Findable, Accessable, Interoperable and Reproducable) oder den FAIR data principles.

Du hast mir neulich einen Link zu einem Bericht in der ARD geschickt, in dem über „Fake Science“ gesprochen wurde. In diesem Fall wurde das unpassende Modewort „Fake News“ auf die Wissenschaft übertragen. Mit open access hat das nichts zu tun…
Genau, das ist schlichtweg falsch! Für mich ist die Wortschöpfung „Fake Science“ schon mehr als bedenklich. Was soll das denn sein? Ist damit gemeint, ein wenig schlechter als Wissenschaft und etwas besser als Unsinn? Ich kann damit nichts anfangen! "Fake News" und "Fake Science" sind Unwörter, die wir als Wissenschaftler*innen tunlichst nicht in unseren Sprachgebrauch aufnehmen sollten.
Viele Wissenschaftler*innen mit denen ich gesprochen habe, sahen in diesem Bericht auch keine Neuigkeit mehr. Ich denke fast jeder/jedem Wissenschaftler*in des FMP sind die SPAM-Mails zu „Predatory Journals“ und „Predatory Conferences“
mittlerweile ein tägliches Ärgernis in der E-mail Inbox!
Aber wir als Wissenschaftler*innen sind auch nicht ganz unschuldig, haben wir es doch versäumt, rechtzeitig Schritte gegen derartige Machenschaften einzuleiten. Noch dazu wird es in den nächsten Jahren weiter zu massiven Veränderungen in der Art und Weise kommen, wie wissenschaftliche Arbeiten publiziert werden.
Durch das Internet hat sich unser Umgang mit Inhalten massiv geändert. Nicht nur das klassische Paper, sondern auch andere Verbreitungsmöglichkeiten werden zunehmend interessanter und auch wichtiger, da technische Hürden weiter abgebaut
werden. André und ich sehen das "Wirkstoffradio" daher auch mehr als eine Plattform, auf der wir mit interessierten Wissenschaftler*innen neue Formen wissenschaftlicher Publikation bzw. Kommunikation ausprobieren können.

Danke für deine ausführlichen Antworten. Jetzt werden wir alle gespannt auf eure ersten Folgen warten. Viel Erfolg mit eurem Podcast!

Bernd Rupp, Silke Oßwald

http://www.wirkstoffradio.de

Erschienen in: FMP Interview. Issue No.2/September 2018

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