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Chemie im großen Maßstab

24.05.2017 / Alle Zeichen stehen auf Wachstum: Derzeit errichtet emp Biotech auf 350 Quadratmetern eine neue Produktionsstätte im Haus 72. Dort werden künftig im Technikumsmaßstab Chromatografie-Matrizen für pharmazeutische Zwecke hergestellt. Das Unternehmen hat sich, neben den Produkten für die Biochromatografie, auf die Herstellung und Entwicklung von Feinchemikalien für viele Bereiche in den Life Sciences spezialisiert.

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Seit 1997 ein Geschäftsführer-Team: Dr. Derek Levison und Dr. Uwe Möller (Foto: Peter Himsel/BBB Management GmbH)

Die Anfänge von emp Biotech sind mit den USA verknüpft: Im Labor seines Doktorvaters am Hunter College in New York lernte der Chemiker Derek Levison seine zukünftige Frau aus Deutschland kennen. Frisch promoviert, folgte er ihr 1995 nach Berlin. Hier gründete Dr. Levison die emp Biotech GmbH, um US-Produkte zur DNA-Aufreinigung in Europa zu vertreiben. Weiterhin interessiert an wissenschaftlichen Herausforderungen in der Biochemie, nahm Derek Levison eine Postdoc-Stelle an der Humboldt-Universität an. Ab 1995 arbeitete er parallel in der Arbeitsgruppe von Prof. Dieter Cech am Thema „Nichtradioaktive Markierung von DNA“. Gemeinsam mit Dr. Uwe Möller forschte Levison an der Detektion von DNA mittels fluoreszenter und chemilumineszenter Methoden. Die Projektarbeit endete 1997, und es wurde rasch entschieden, das universitäre Know-how in emp Biotech einfließen zu lassen; als Ausgangspunkt für den Aufbau eines Unternehmens, das nachhaltig chemische Werkzeuge für den Molekularbiologie-Markt entwickelt und produziert.

„Ende der 90er Jahre war die übliche Vorstellung, dass man eine Biotech-Firma gründet, diese in fünf Jahren an die Börse bringt und sich dann zur Ruhe setzt. Aber das entsprach nicht unseren langfristigen Plänen“, so Dr. Uwe Möller. Levison und Möller beschlossen, die an der Universität entwickelten Technologien im Rahmen von emp Biotech zur Produktreife zu führen und bewarben sich für das BMBF-Förderprogramm Futur I.

Schwieriger Start
Durch fehlende regulatorische Voraussetzungen konnte das Förderprogramm des BMBF jedoch nicht genutzt werden. Das Zweierteam startete daraufhin ohne staatliche Unterstützung auf dem Campus Buch und erzielte sein Einkommen zunächst mit Vertrieb und Auftragsforschung. „Nach und nach haben wir unsere eigenen Produkte entwickelt, die nichtradioaktive Markierung von DNA mit Fluoreszenzfarbstoffen verfolgt und auch etliche Ansätze unternommen, die Chemilumineszenz-Diagnostik in unterschiedlichen Applikationen zu etablieren. Mit Fluoreszenzfarbstoffen, Nukleinsäure-Reagenzien und Auftragssynthesen wuchsen wir bis 2008 auf acht Beschäftigte. Auf dem Campus entwickelten sich vielfältige Kooperationen. Doch dann traf uns die Wirtschaftskrise in den USA: Ein langfristiger Forschungsvertrag mit einer US-Firma brach von heute auf morgen ab, große US-Kunden fielen weg. Als Folge dessen mussten wir sehr kurzfristig nahezu alle F&E-Aktivitäten einstellen und sehr eng zusammenrücken“, so Dr. Möller. „Gerettet haben uns unsere Entwicklungen auf dem Gebiet der Biochromatografie.“

Erfolgreich in der Nische
Seit 2006 entwickelte emp Biotech ein eigenes Verfahren zur Synthese von Dextran-Polymeren, die in der Größenausschluss-Chromatografie (Gelfiltration) von Proteinen und Nukleinsäuren eine breite Anwendung finden. „Wir haben das Produkt nicht erfunden, können nun aber als weltweit zweiter Produzent neben GE Healthcare Gelfiltrationsprodukte in sehr hoher Qualität synthetisieren“, so Levison. Verbunden mit moderaten Preisen, etablierte sich die Firma schrittweise in diesem Marktsegment. „Startpunkt war eine Gelfiltrationssäule zur Aufreinigung von Oligonukleotiden nach der automatischen DNA-Synthese. Durch eine sehr sorgfältige Herstellung und eine strenge Qualitätskontrolle nach ISO 9001 gewährleisten wir höchste Qualität. Seit der ersten Auslieferung im Jahr 2009 ist noch keine einzige Säule reklamiert worden. Mit deren Verkaufsstart Anfang 2009 und der kontinuierlichen Erweiterung der Produktpalette konnten wir die Krise abwenden.“

Als weiteres Ergebnis benennt Dr. Levison, dass emp Biotech dadurch in die Lage versetzt wurde, seine F&E-Aktivitäten wieder zu verstärken und die Produktionskapazitäten langfristig auszubauen. „An unserem Standort in Buch planen wir Reaktoren für die industrielle Synthese und bauen dafür in einem ersten Schritt ein modernes chemisches Technikum.“ In Buch sollen GMP-konform Chromatografie-Gele für medizinische Anwendung hergestellt werden, etwa, um Blutplasma zu fraktionieren oder Blut zu typisieren. Geplant ist eine Zertifizierung nach ISO 13485 für medizinische Produkte. „Wir haben heute 33 Beschäftigte und werden für die neue Produktion noch weitere Mitarbeiter einstellen“, so Dr. Möller.

Text: Christine Minkewitz/BBB

http://www.empbiotech.com

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