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Lipidomix: 10 Jahre Speziallabor für die Forschung

19.07.2016 / Interview mit Dr. Michael Rothe, Geschäftsführer der Lipidomix GmbH

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Foto: Das Lipidomix-Team feiert 10-jähriges Jubiläum: (v.l.n.r.) Inci Dogan, Dr. Rothe, Christian Frätzer und Heike Zweers. (Foto: Christine Minkewitz / BBB Management GmbH Campus Berlin-Buch)

Wie ist Ihr Unternehmen entstanden?
Ich habe die Lipidomix GmbH 2006 gegründet, ein Jahr, nach dem ich beim Bucher Analytik-Unternehmen FILT ausgeschieden bin. Damals kristallisierte sich bei mir die Idee heraus, dass ich meine Erfahrung in der Lipid-Analytik am besten als spezialisierter Dienstleister für die akademische Grundlagenforschung nutzen könnte. Ein externes Hightech-Labor für diese Zielgruppe gab es damals noch nicht, und ich hatte bereits etliche potenzielle Kunden und prominente Befürworter. Insbesondere Dr. Wolf-Hagen Schunck vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) hat mich unterstützt. Räumlichkeiten habe ich auf dem Campus ohne weiteres bekommen. Eine große Hürde war jedoch die Summe von 300.000 Euro, um die benötigte HPLC-Massenspektrometrie anschaffen zu können.
Die Banken haben auf meine Finanzierungsanfragen teilweise gar nicht erst geantwortet. Oder es hieß: „Was Sie hier vorhaben, versteht kein Mensch“. Erst, als sich ein befreundeter Unternehmensberater für mich verbürgt hat, hat sich eine Bank bereit erklärt, mein Vorhaben zu unterstützen.

Wie kam es dazu, dass Ihr Labor so stark auf Eicosanoide fokussiert?
Eicosanoide sind Stoffwechselprodukte  von mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die sowohl als diagnostische Marker bei Entzündungen als auch wegen ihres therapeutischen Potenzials interessant sind. Sie besitzen die Eigenschaften von Gewebshormonen und regulieren Entzündungen, Schmerz, Blutdruck und andere Prozesse. Ihr chemischer Nachweis ist höchst anspruchsvoll. Uns ist gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, das erlaubte, zunächst ein bestimmtes Eicosanoid (20 HETE) chemisch-analytisch nachzuweisen. Davon ausgehend haben wir immer weitere Metabolite in die Methode einbezogen. Mittlerweile hat sich auch ein Weg zur medizinischen Anwendung eröffnet:  Dr. Schunck hat mit seiner Arbeitsgruppe am MDC ein natürliches Eicosanoid gefunden, das einen schützenden Einfluss auf das Herz ausübt. Daraus entwickelt OMEICOS Therapeutics jetzt einen vielversprechenden Wirkstoff gegen  Vorhofflimmern.   

Welchen Vorteil bietet die Spezialisierung?
Unsere Kompetenz wächst kontinuierlich. Wir sind inzwischen in der Lage, mehr als 130 Einzelmoleküle in einer Probe in kürzester Zeit zu messen. Auch hinsichtlich der Konkurrenz ist es von Vorteil, so spezialisiert zu sein: Der Markt für diese sehr spezielle Analytik ist so klein, dass sich eine solche Dienstleistung für große Labore gar nicht lohnen würde.

Wie hat sich ihr Labor entwickelt?
Über das große Gebiet der Lipidomics haben sich viele Verflechtungen gebildet. Ich bin hier auf dem Campus, aber auch in vielen anderen Laboren in Deutschland, Europa, sogar weltweit Ansprechpartner für diese Form der Lipidanalytik. Darüber hinaus sind wir autorisiertes Partnerlabor des Geräteherstellers Agilent Technologies, der auf analytische Messtechnik spezialisiert ist. Wir entwickeln für dessen Kunden analytische Verfahren, trainieren die Handhabung der Geräte und bieten Support bei Messproblemen. Die Verfahrensentwicklung für andere Labore ist ein sehr wichtiges, schnell wachsendes Standbein. Wir haben in den letzten zehn Jahren weit über eine Million Euro in unsere Laborausstattung und die Massenspektrometer investiert. Dadurch können wir unseren Kunden die leistungsfähigsten, auf dem Markt verfügbaren Messsysteme anbieten.
Unsere Analysen für die Grundlagenforschung spiegeln sich in wissenschaftlichen Publikationen wider. Neben vielen Veröffentlichungen mit MDC-Wissenschaftlern haben wir zum Beispiel für das Horvitz-Lab am MIT gemessen und das Ergebnis im Fachjournal Science publiziert. Zudem haben wir durch die wissenschaftlichen Kooperationen eine wertvolle und umfangreiche Eicosanoid-Datenbank aufgebaut.

Mit wem kooperieren Sie auf dem Campus?
Neben Dr. Schunck sind es vor allem Wissenschaftler, die am Experimental and Clinical Research Center arbeiten: Dr. Dominik Müller und PD Dr. Ralf Dechend, die zum Thema Bluthochdruck forschen und PD Dr. Karsten-Henrich Weylandt, der die Hochschulambulanz für Lipidologie leitet.
Natürlich kooperieren wir auch mit OMEICOS. Der Campus ist ein ideales Umfeld für uns – es gibt sehr viele Synergien und Anregungen durch unser wissenschaftliches Netzwerk vor Ort.  Aktuell zeichnen sich weitere Kooperationen mit dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung, der Universität Tübingen und der Charité ab. Auch hier wird es um Stoffwechselprodukte der Fettsäuren gehen.

Text: Christine Minkewitz

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