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Charité wächst auf dem Campus Buch

21.01.2016 / Interview mit Prof. Dr. med. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité - Universitätsmedizin Berlin

Pries

Foto: Prof. Dr. Axel Radlach Pries, Dekan der Charité - Universitätsmedizin Berlin (Foto: Wiebke Peitz)

Der Campus Berlin-Buch ist einer von vier Standorten der Charité in Berlin. Wodurch zeichnet sich der Standort aus?

Das besondere Profil des Campus Buch ist sicher eng mit seiner Historie verknüpft. Schon der Standort selbst blickt auf eine lange Tradition in Gesundheitswesen und Forschung zurück: Ausgehend von der Gründung des Instituts für Hirnforschung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft mit angeschlossener Forschungsklinik, mit der die Basis für Grundlagenforschung in Verbindung mit klinischer Forschung gelegt wurde, hat sich das Profil über die Jahre immer weiter entwickelt und geschärft. Gerade diese konsequente und zielgerichtete Entwicklung kennzeichnet die besondere Stärke Buchs. Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), dessen Mission es war und ist, biomedizinische Forschung zu betreiben, hat seine Zusammenarbeit mit der Charité im Bereich der klinischen Forschung immer mehr erweitert.

Mit der Gründung des Experimental and Clinical Research Centers (ECRC) wurde der gemeinsame Forschungsraum von MDC und Charité weiter ausgebaut und der enge Austausch zwischen Grundlagenforschung, klinischer Forschung und medizinischer Praxis gestärkt. Wir haben heute ein optimales Umfeld für eine translationale Forschung einschließlich klinischer Studien sowie eine wachsende Anzahl von Hochschulambulanzen, die im Rahmen ihrer Aufgaben in der Forschung eine spezialisierte Beratung für Patienten anbieten. Zudem gibt es eine Reinstraum-Herstellungsanlage für die zelluläre Immuntherapie und Zugang zu modernsten Verfahren in der Ultrahochfeld-Magnetresonanz-Bildgebung. Diese Entwicklungslinie wird sich mit dem Berlin Institute of Health (BIH) fortsetzen und verstärken und neue Maßstäbe für die translationale Forschung in Deutschland und über Deutschland hinaus setzen.

Die Charité investiert am Standort Buch. Welche Vorhaben werden derzeit umgesetzt?

Durch den Aufbau des BIH und die Etablierung neuer Forschungsprojekte steigt die Zahl der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf dem Campus. Gleichzeitig wachsen aber auch die Anforderungen an die Forschungsinfrastruktur, die nötig ist, um modernste systemmedizinische Forschungsmethoden auch anwenden zu können. Einen Teil dieser neuen Infrastruktur werden wir schaffen, in dem wir das Forschungshaus am Lindenberger Weg mit einem Laborneubau erweitern und teilweise sanieren. Dort, in der ehemaligen Robert-Rössle-Klinik, befinden sich heute die Hochschulambulanzen des ECRC. Ideale Voraussetzungen also, um den Grundgedanken des BIH umzusetzen, den gemeinsamen Forschungsraum zu entwickeln und wichtige BIH-relevante Strukturen unterzubringen: die Patienten- und Probandenforschung, translationale Forschungslabore und die „Omics“-Plattformen.

Die zweite große Baumaßnahme, die bereits begonnen hat und 2017 fertiggestellt sein wird, ist die neue Forschungseinrichtung für Experimentelle Medizin (FEM) der Charité. Das neue Gebäude ersetzt das nicht mehr sanierungsfähige Tierhaus am Campus Benjamin Franklin. Die FEM entsteht gemeinsam mit dem neuen Tierforschungshaus des MDC, dem In-vivo-Pathophysiologie-Laborgebäude (IPL). Beide Häuser sind durch ein gemeinsam genutztes Infrastrukturgebäude verbunden. Dadurch können Errichtungskosten eingespart und die Energieeffizienz gesteigert und so auch ein direkter Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden. Aber die enge Nachbarschaft wirkt sich nicht nur positiv auf die Energiebilanz aus. Die Etablierung einheitlicher Qualitätsstandards sowie die Vermeidung von Parallelzuchten sind weitere Vorteile einer gemeinsam betriebenen Einrichtung.

Zudem wird das IPL neben Anlagen für die tierschutzgerechte Zucht und Haltung von Versuchstieren auch Laborflächen für modernste, belastungsarme Untersuchungsmethoden, wie beispielsweise die bildgebenden Verfahren Ultraschall und MRT, bereithalten. Davon werden auch wir im Rahmen unserer Kooperation profitieren, und es kann langfristig helfen, die Anzahl an Tierversuchen zu reduzieren.

Welchen Stellenwert hat das Experimental and Clinical Research Center auf dem Campus Berlin-Buch im Gesamtkontext der Charité?

Das ECRC ist eine wesentliche Forschungseinrichtung der Charité. Als gemeinsame Einrichtung von MDC und Charité fördert das ECRC seit seiner Gründung 2007 die Zusammenarbeit zwischen Grundlagenwissenschaftlern und klinischen Forschern – ist also ganz klar ein Vorreiter des Kerngedankens der Translation und damit auch eine Vorläufereinrichtung des BIH. Im ECRC werden neue Ansätze für Diagnostik, Prävention und Therapie von Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Erkrankungen, Krebs sowie neurologischen Erkrankungen entwickelt und über die Hochschulambulanzen zeitnah zu den Patienten gebracht. Es bietet ein exzellentes Umfeld für die patientenorientierte Forschung, einschließlich klinischer Studien.

Außerdem kann das ECRC als beispielhafte Plattform für die Ausgestaltung des Clinical Scientist-Programms angesehen werden. Ziel dieses Programms ist es, einen neuen Karrierepfad für klinische Forscherinnen und Forscher zu etablieren. Üblicherweise bietet die universitäre Facharztweiterbildung neben den klinischen Tätigkeiten wenig Raum für Forschungsprojekte. Hier setzt das Programm an: Es bietet eine strukturierte Facharztweiterbildung, die aber auch hinreichend geschützte Zeit für die klinische Forschung enthält.

Die Unternehmen Berlin Cures und CPO Cellular Phenomics & Oncology Berlin-Buch GmbH sind Beispiele für erfolgversprechende Ausgründungen auf dem Campus Buch. Welche Perspektiven sehen Sie für weitere Unternehmensgründungen am Standort?

Der Campus ist ein wachsender Forschungsstandort, der internationales Renommee als exzellenter Wissenschaftsstandort genießt und sowohl für Forschende als auch für Unternehmen der Biotechnologiebranche sehr attraktiv ist. Mit dem BIH haben MDC und Charité ein tragfähiges Konstrukt für eine gemeinsame Zukunft und die Forschung über fachliche Grenzen hinweg entwickelt. Die neu entstehenden Technologieplattformen für Genomics, Proteomics und Metabolomics, die Labore und eine Biobank bilden eine Infrastruktur für die Anwendung modernster systemmedizinischer Forschungsmethoden. Und unter der Leitung des Leibniz-Instituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) wird derzeit das Netzwerk EU OPENSCREEN aufgebaut, durch das Berlin-Buch zum Zentrum der europäischen Wirkstoffforschung werden soll.

Die wissenschaftlichen Kooperationen führen zu immer besseren, anwendungsreifen Verfahren für die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Menschen. Die Charité bewegt sich seit Jahren im Bereich wissenschaftsbasierter Ausgründungen in der Spitzengruppe, zusammen mit großen Volluniversitäten und technischen Hochschulen. Insofern sind die Perspektiven für weitere Ausgründungen in meinen Augen hervorragend.

Interview: Dr. Julia Biederlack, Charité

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