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Von Vancouver nach Berlin: W3-Professur für Bioinformatikerin Irmtraud Meyer an der FU Berlin und am Max-Delbrück-Centrum

19.10.2015 / Die Bioinformatikerin Irmtraud Meyer von der Universität von British Columbia in Vancouver, Kanada, hat den Ruf auf eine W3-Professur für „Bioinformatik der RNA-Struktur und der Transkriptomregulierung“ an der Freien Universität Berlin (FU) in Kooperation mit dem Berliner Institut für Medizinische Systembiologie (BIMSB) des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) angenommen. Damit ist es den beiden Einrichtungen gelungen, die international anerkannte Wissenschaftlerin für Berlin zu gewinnen und den Bereich der Systembiologie und Systemmedizin zu verstärken. Prof. Meyer wird ihre Arbeit in Berlin im kommenden Wintersemester aufnehmen und damit nach 16-jähriger Tätigkeit im Ausland nach Deutschland zurückkehren.

Systembiologie und Systemmedizin verknüpfen die moderne Biologie und Medizin mit der Bioinformatik. Dahinter steht der Gedanke, dass es für viele Erkrankungen molekulare Ursachen gibt, die im Detail und dem Ursprung nach verstanden werden können. Ziel dieses neuen Forschungszweigs ist es, komplexe Vorgänge auf den verschiedensten Ebenen, auch auf molekularer Ebene, zu entschlüsseln und darauf aufbauend neue Diagnosemethoden und Therapien zu entwickeln, um Erkrankungen frühzeitig erkennen und behandeln zu können und im Idealfall sogar an den einzelnen Patienten anzupassen.

Schwerpunkt der Forschungen von Prof. Meyer ist das Transkriptom, die Gesamtheit der RNA Moleküle, die bei der Transkribierung von Genen – der Umschreibung der DNA in RNA – entstehen und aus proteinkodierenden oder nicht-kodierenden RNA-Molekülen bestehen. Protein-kodierende RNAs werden in Proteine umgesetzt, nicht-kodierende RNAs sind wichtige Regulatoren der Zellmaschinerie. Erst die zelltyp-spezifische Regulierung dieser einzelnen Moleküle führt zur korrekten Ausbildung einer gesunden Zelle beziehungsweise eines gesunden Organismus.

Die Rolle, die die sogenannte RNA-Struktur bei der Regulierung der proteinkodierenden und nichtkodierenden Gen-Transkripte einnimmt, ist dabei von besonderem Interesse für die Forscherin, weil dadurch potentiell viele Arten von Regulierungsmechanismen robust, das heißt ohne großen Einfluss von vielen externen Molekülen, gesteuert werden können. Die Forschungsgruppe von Prof. Meyer entwickelte bereits mehrere Programme zur Gen- und RNA-Strukturvorhersage und führte zahlreiche Computeranalysen zu RNA-Strukturen und ihren Funktionen durch.

Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungen von Prof. Meyer ist die Entschlüsselung des Netzwerks von RNA-RNA-Interaktionen und anderen Transkriptom-Interaktionen. Diese Art von Interaktionen sind im Gegensatz zu Protein-Protein Netzwerken bisher weniger umfassend erforscht. Bestimmte Klassen von RNA-RNA Wechselwirkungen, wie beispielsweise die Wechselwirkungen zwischen der Boten-RNA (mRNA) mit der microRNA (miRNA), haben sich bereits als funktional überaus wichtig herausgestellt. Daher gibt es berechtigte Hoffnung, weitere neue Klassen von Interaktionen entdecken zu können.

Irmtraud Meyer wurde 1974 in Hameln im Weserbergland geboren. Von 1993-1998 studierte sie Physik und Mathematik an der Rheinisch-Westfälischen Hochschule (RWTH) Aachen, sowie an der Universität von Paris-Süd XI, Frankreich. Im Rahmen ihrer Diplomarbeit war sie mehrere Monate am europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf, Schweiz, tätig. Nach ihrem Physikdiplom in Aachen ging sie von 1999-2002 als Doktorandin an das Wellcome Trust Sanger Institute und an das Department of Genetics der Universität Cambridge, Großbritannien. Nach ihrer Promotion arbeitete sie von 2002 bis 2004 am Oxford Centre for Gene Function sowie am Department of Statistics der Universität Oxford und kehrte dann für ein Jahr nach Cambridge zurück. Dort war sie als Postdoc am European Bioinformatics Institute tätig, das Teil des European Molecular Biology Laboratory (EMBL) in Heidelberg ist. Im März 2006 nahm sie einen Ruf an die University of British Columbia in Vancouver, Kanada, an. Dort arbeitete sie über neun Jahre am UBC Centre for High-Throughput Biology (ChiBi), dem Department of Computer Science und dem Department of Medical Genetics, zuletzt als Assistenzprofessorin.

Die junge Forscherin erhielt zahlreiche Auszeichnungen. So war sie Honorary Scholar des Cambridge European Trust (1999-2002), Wellcome Trust Prize Student (2000-2002) und zweimal Marie Curie Fellow (2007, 2009) am Rényi Institute of Mathematics der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, Budapest. Prof. Meyer ist darüber hinaus Mitglied in der International Society for Computational Biology, der RNA Society und der Mathematical Society of the University of Oxford.

Ein Photo von Prof. Irmtraud Meyer können Sie sich im Internet herunterladen unter:

https://www.mdc-berlin.de/44046866/de/news/2015

Quelle: MDC

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