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Buch hilft: Ein enges Hilfsnetzwerk unterstützt die Flüchtlinge im Bucher Refugium

25.09.2015 / Es ist Anfang Juli. Zwei kleine Jungen, vielleicht 10 Jahre, flitzen in kurzen Hosen auf ihren Rädern vergnügt am Bucher Bürgerhaus vorbei Richtung Panke. Ob sie zu denen gehören, die im Mai ins Flüchtlingsheim eingezogen sind? Zu erkennen wäre es vielleicht an ihrer besonderen Freude am Radfahren. Dass der Alltag hier sicher ist und man einfach losfahren kann, bedeutet allein schon Glück.

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Familien aus dem Refugium kamen zur Langen Nacht der Wissenschaften auf dem Campus Berlin-Buch (Peter Himsel/Campus Berlin-Buch)

Seit Mai dieses Jahres leben 480 Menschen in Berlin-Buch, die aus ihrer Heimat geflohen sind und in Deutschland Asyl beantragt haben. Sie stammen aus 25 Ländern,  hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan, Eritrea, Serbien und Kosovo. Unter ihnen sind 150 Kinder. Das neue Refugium der Arbeiterwohlfahrt, eine Anlage mit Containergebäuden und Gartenbereich, bietet ihnen ein Zuhause auf Zeit. Längst sind Willkommensklassen eingerichtet, in denen die größeren Kinder unterrichtet werden. Ab September werden Kindergartenplätze für die Kleinen gesucht. Und die Unterstützung aus der Bevölkerung ist groß.

Nachdem der Senat im November 2014 bekannt gegeben hatte, dass in Buch eine Wohnstätte für Geflüchtete entstehen würde, rollte eine Welle des Protests an. Doch gleichzeitig bildeten diejenigen, die den Flüchtlingen das Ankommen erleichtern wollten, einen Unterstützerkreis. Koordiniert vom gemeinnützigen Verein Albatros, engagieren sich seitdem ca. 200 ehrenamtliche Helfer aus Buch und Umgebung für die neuen Bewohner. Darunter sind Ältere mit medizinischen Berufen, pensionierte Lehrerinnen, Berufstätige und Studierende. Sie unterrichten Deutsch, begleiten auf Ämter und zu Ärzten, zeigen den Ort, betreuen Kinder oder reparieren gespendete Fahrräder.

Helfende vom Campus
Hilfe kommt auch vom international geprägten Campus Buch. Am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) und am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) arbeiten Menschen aus 60 Nationen.
Adeeb Eldahshan hat viele Jahre am FMP und MDC gearbeitet. Als er vom Refugium hörte, entschied er sich sofort zu helfen. Er kam vor 17 Jahren aus dem Gazastreifen zum Studium nach Tübingen und erhielt damals selbst viel Unterstützung. Eldahshan übersetzt ins Arabische und unterrichtet einmal pro Woche Deutsch für Erwachsene. „Ich erlebe, wie zielorientiert die Leute Tag für Tag mehr deutsch lernen, um sich integrieren und eine Arbeit aufnehmen zu können.“ Zweite Dozentin im Deutschkurs von Adeeb Eldahshan ist Cornelia Stärkel, Mitarbeiterin im Gläsernen Labor. Für sie war ausschlaggebend, etwas gegen die anfänglich negative Stimmung im Ort zu unternehmen: „Ich möchte den Flüchtlingen ein Gefühl des Willkommens vermitteln.“

Sobald Flüchtlinge eine Aufenthaltsgestattung haben, können sie aus dem Refugium ausziehen. Doch eine Wohnung zu finden, ist nicht leicht. „Der Wohnungsmarkt ist kompliziert, und viele sprechen kaum Deutsch. Wir helfen ihnen bei der Suche nach preiswerten Wohnungen“, erklärt Emanuel Wyler vom MDC. Mit einer weiteren Kollegin beteiligt er sich an der AG „Wohnungssuche“.

Raed Al-Yamori, Softwareentwickler am FMP, engagiert sich ebenfalls für die Refugiumsbewohner; als Dolmetscher, Sprachvermittler und Ratgeber. „Als ich 1996 aus Bagdad zum Studium nach Berlin kam, musste ich mich völlig neu orientieren“, beschreibt er. „Sich hier ein Leben aufzubauen, ist kein leichtes Unterfangen, aber es kann gelingen.“

Einmal pro Woche spielt Thilo Volbracht, Mitarbeiter der Eckert & Ziegler AG, mit Mädchen und Jungen vom Refugium Fußball oder Volleyball. Häufig besucht er mit ihnen auch die Bienenvölker auf dem Campus, die er als Imker betreut. Er hat Syrien, das Herkunftsland vieler Kinder, kennengelernt, als dort ethnische und religiöse Minderheiten noch gut zusammenlebten. „Mir ist wichtig, Basisdemokratie und Toleranz zu vermitteln“, erklärt Volbracht, der auch bei den Spendenaktionen fürs Refugium mithilft.

Die Refugiumsbewohner waren zur Langen Nacht der Wissenschaften auf den Campus eingeladen und sind gern gekommen. Den Kindern und Jugendlichen wurde ein kostenloser Ferienkurstag im Gläsernen Labor geboten. Für jede Hilfe, jedes Angebot ist die Dankbarkeit groß, so die einhellige Erfahrung aller Unterstützer. „Das Strahlen in den Augen der Kinder ist die schönste Belohnung“, so Thilo Volbracht.

Neuer Treffpunkt in Buch
In der ehemaligen Info-Box der HOWOGE wird es ab September gemeinsame Veranstaltungen für Refugiumsbewohner und Anwohner geben. Grundlage ist ein Kooperationsvertrag mit Albatros. „Wir stellen diese Plattform zur Verfügung, um das gegenseitige Kennenlernen und die Integration zu fördern“, so Karen Schulz, Leiterin des Servicebüros in Buch. „Die Flüchtlinge sollen in normalen Verhältnissen ankommen und zur Ruhe kommen können.“

Text: Christine Minkewitz

 

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