we pave the way for biotechs

News

Leibniz-Wirkstoff des Jahres: Hoffnung für Hautkranke

22.04.2015 / Auszeichnung für neuen Therapieansatz bei Ichthyose, die seltene Hauterkrankung ist bislang noch unheilbar. Der Leibniz-Forschungsverbund „Wirkstoffe und Biotechnologie“ würdigt die Gruppe von Margitta Dathe am Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) für die Entwicklung einer Wirkstoffapplikationsform, der bereits 2013 von der Europäischen Kommission der „Orphan-Drug-Status“ zugesprochen wurde.

Bei Menschen mit angeborener Ichthyose ist in der Haut das natürliche Gleichgewicht aus Zellwachstum und Verhornung gestört, die Patienten leiden unter einer extremen Verdickung der obersten Hautschicht, sichtbar als dunkle, lamellenartige Schuppen. Die Betroffenen müssen nicht nur täglich Stunden für die Hautpflege aufwenden – sie haben mit starkem Wasserverlust, Entzündungen und Infektionen zu kämpfen, und werden oft schon als Kinder sozial ausgrenzt. Ichthyose, auch „Fischschuppenkrankheit“ genannt, ist dabei nur ein Sammelbegriff, denn die Krankheit wird von verschiedenen, zum Teil äußerst seltenen genetischen Defekten verursacht. Bei manchen Patienten fehlt das Enzym Transglutaminase 1 (TG1), das als Klebstoff der Natur dafür sorgt, dass in den oberen Hautschichten Proteine quervernetzt werden und so ein Wasserverlust und eine Austrocknung des Körpers verhindert wird. – hier setzt die nun ausgezeichnete Wirkstoffentwicklung an.

Heiko Traupe und Karin Aufenvenne, Experten für Ichthyosen der Klinik für Hautkrankheiten des Universitätsklinikums Münster, suchten vor einigen Jahren nach einem neuen Therapieansatz, einer Möglichkeit, den Patienten das fehlende Enzym zu verabreichen. Sie kontaktierten Margitta Dathe, Leiterin der Arbeitsgruppe „Peptid-Lipid Interaction“ am FMP, die dann zusammen mit ihren Mitarbeitern Transportvehikel entwickelte in denen biotechnologisch hergestellte humane TG1 verpackt werden kann. Die Herausforderung bestand darin, das Enzym an seinen Wirkort innerhalb bestimmter Hautzellen, den Keratinozyten, zu transportieren. Bei den Transportvehikeln handelt es sich um Liposomen, die mit einem speziellen Peptid versehen sind, das die kleinen, fettähnlichen Tröpfchen mit dem eingebauten Enzym über die Haut und durch die Zellmembran der Keratinozyten transportiert und die TG1 im Zellinneren verfügbar macht.

Die generelle Wirksamkeit einer solchen Enzymersatztherapie wurde inzwischen in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe um Fernando Larcher am Centro de Investigaciones Energéticas, Medioambientales y Tecnológicas in Madrid sowie Ingrid Hausser-Siller am Universitätsklinikum Heidelberg bestätigt. 2013 wurde der Therapie von der Europäischen Kommission der „Orphan-Drug-Status“ zugesprochen. Durch diesen Status wird in der EU die Entwicklung von Medikamenten für seltene Krankheiten mit einem vereinfachten und günstigeren Zulassungsverfahren gefördert, verbunden mit Exklusivrechten für 10 Jahre ab Marktzulassung.

Derzeit gibt es Gespräche mit einem Unternehmen der Pierre Fabre Laboratory (Pierre Fabre Orphan Dermatology), um die weitere präklinische Entwicklung der Therapie und erste klinische Studien zu initiieren.

Die liposomale Formulierung des Wirkstoffs für die Enzymersatztherapie von Ichthyose-Patienten wurde vom Leibniz-Forschungsverbund Wirkstoffe und Biotechnologie zum Leibniz-Wirkstoff des Jahres gewählt. Der Verbund bündelt mit 17 beteiligten Leibniz-Instituten die innerhalb der Gemeinschaft breit angelegte Forschung zu Molekülen mit biologischer Wirkung. Ausgezeichnet werden Margitta Dathe und ihre Mitarbeiter Heiko Nikolenko und Katrin Jordan. Der mit 2000 Euro dotierte Preis wird am 27. April anlässlich der Leibniz-Wirkstofftage in Hamburg verliehen.

Originalveröffentlichungen:
Apolipoprotein E peptide-modified colloidal carriers: the design determines the mechanism of uptake in vascular endothelial cells.
Leupold E, Nikolenko H, Dathe M.
Biochim Biophys Acta. 2009 Feb;1788(2):442-9.
Topical enzyme-replacement therapy restores transglutaminase 1 activity and corrects architecture of transglutaminase-1-deficient skin grafts.
Aufenvenne K, Larcher F, Hausser I, Duarte B, Oji V, Nikolenko H, Del Rio M, Dathe M, Traupe H.
Am J Hum Genet. 2013 Oct 3;93(4):620-30.

Über das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
Das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.500 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.
 

Quelle: Pressemitteilung FMP

zurück zur Liste

MDC
FMP
Charite
Campus Berlin-Buch
Berlin Buch