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Wirkstoff mit Potenzial

03.06.2015 / Die Aussicht, erste Studien mit Patienten realisieren zu können, motiviert das Team von OMEICOS Therapeutics in höchstem Maße. Denn alle bisherigen Daten deuten darauf hin, dass die Wissenschaftler und Gründer eine Möglichkeit gefunden haben, Vorhofflimmern erstmals ursächlich behandeln zu können. „Mit klassischen Medikamenten lassen sich die Symptome therapieren, nicht aber zugrundeliegende Herzerkrankungen. Die Sterblichkeit der Betroffenen bleibt doppelt so hoch. Unser Wirkstoff hat jedoch das Potenzial, einen heilenden Einfluss auf die Herzmuskulatur auszuüben“, erklärt der Geschäftsführer und CSO Dr. Robert Fischer.

Omeicos

Gründerteam (v.l.n.r.): Dr. Wolf-Hagen Schunck, Dr. med. Robert Fischer, Dr. Karen Uhlmann und Dr. Dominik N. Müller

Derzeit leiden allein in der EU fünf bis zehn Millionen Menschen unter Vorhofflimmern, der häufigsten Form einer Herzrhythmusstörung. Die Zahl der Betroffenen wird durch die alternde Gesellschaft jährlich steigen. Entsprechend hoch ist der medizinische Bedarf an einem wirksamen Medikament – und damit auch dessen kommerzielles Potenzial. Jetzt hat sich ein Investorensyndikat mit 5,7 Millionen Euro an OMEICOS beteiligt und damit die präklinische Entwicklung des Wirkstoffs gesichert. „Mit dieser Finanzierung können wir in den nächsten zwei Jahren fokussiert an der Entwicklung der Substanz arbeiten“, so COO Dr. Karen Uhlmann.

Aus der Grundlagenforschung in die medizinische Anwendung
Der Ansatz für den neuen Wirkstoff ist aus einer systematisch vergleichenden Forschung am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) entstanden: „Seit mehr als zehn Jahren erforschen wir Enzyme aus der Cytochrom-P450-Familie, die Fettsäuren zu biologisch aktiven Verbindungen umsetzen können. Dabei sind wir auf ein unbekanntes Stoffwechselprodukt von Omega-3-Fettsäuren gestoßen“, so Arbeitsgruppenleiter Dr. Wolf-Hagen Schunck. „Ausgehend von der theoretischen Feststellung, dass dort ein neuartiges Molekül entsteht, haben wir uns gefragt, ob dieses Stoffwechselprodukt, Metabolit genannt, für die besondere herzschützende Wirkung von Omega-3-Fettsäuren verantwortlich sein könnte. In der Zellkultur konnten wir dann beobachten, dass diese natürliche Verbindung die Kontraktionsfähigkeit von Herzzellen positiv beeinflusst.“ Dr. Robert Fischer, spezialisiert auf die Behandlung von Herzrhythmusstörungen, regte an, den neuen Wirkmechanismus für die Behandlung von Vorhofflimmern einzusetzen.

Die nächsten dafür notwendigen Schritte konnten die Entdecker dank der PreGoBio Förderung vom MDC gehen. „Insbesondere hat uns diese Förderung ermöglicht, in Kooperation mit Dr. John Russel Falck vom Medical Center der University of Texas Southwestern synthetische Moleküle mit vergleichbarer chemischer Struktur und Funktion zu entwickeln. Die ‚Kopie‘ der natürlichen Metaboliten ist ein notwendiger Schritt, da die natürlichen Moleküle als Basis für ein Medikament nicht geeignet sind. Nach zahlreichen Versuchen erhielten wir schließlich einen zuverlässig stabilen Wirkstoff“, erklärt Wolf-Hagen Schunck. „Wir konnten zeigen, dass dieser Wirkstoff Rhythmusstörungen in erkrankten Herzen signifikant reduziert. Somit hatten wir einen hervorragenden Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Medikaments“, so Dr. Fischer.

Spin-off des Max-Delbrück-Centrums
Um den Wirkstoff bis zur klinischen Anwendung zu entwickeln, hat das Team im Juni 2013 OMEICOS Therapeutics als Spin-off des MDC auf dem Biotech-Campus Berlin-Buch gegründet. In der Vorgründungsphase fanden die Gründer Unterstützung durch Technologietransfer-Manager des MDC und der Ascenion GmbH und konnten Mittel der Ausgründungsförderung der Helmholtz-Gemeinschaft (Helmholtz-Enterprise) einwerben. Durch die Beteiligung des High-Tech Gründerfonds und eine ProFIT-Förderung des Landes Berlin startete OMEICOS schließlich mit einem Kapital von 500.000 Euro.

Auf dem Campus kooperiert OMEICOS weiterhin eng mit den Arbeitsgruppen der Mitgründer Dr. Wolf-Hagen Schunck (MDC) und Dr. Dominik N. Müller (ECRC). Mit dem Biotech-Unternehmen Lipidomix wurde eine Diagnostik für die Metaboliten entwickelt. „Der Austausch mit Campus-Unternehmen ist sehr hilfreich. Dank der räumlichen Nähe lässt sich vieles im persönlichen Dialog schneller und tiefgehender klären“, so Dr. Uhlmann. „Hervorzuheben ist auch die flexible Unterstützung der BBB Management GmbH.“


Text und Foto: Christine Minkewitz

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